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Solidarische Kampagne
RaumFrei?!
40 Jahre – 40 Besetzungen – Raumnahmen und mehr!
vom 1. Mai bis zum 20. Juni 2015

www.raum-frei.net

40 Tage mit Aktionen & Interventionen in Kooperation und unter Beteiligung von Gruppen und Initiativen, die im Kulturzentrum aktiv sind sowie befreundeten und solidarischen Initiativen, die soziale kulturelle politische Räume bilden, die sich der Verwertungslogik entgegenstellen, die Widerstand gegen soziale Verdrängungen, gegen die Kommerzialisierung und Privatisierung des öffentlichen Raums leisten, die selbstorganisiert und von unten bewegt sind, …
Raum greifen, sichtbar machen, sich Raum nehmen, Raum besetzen, sich topographische, diskursive, symbolische, kulturelle Räume aneignen, Räume schaffen, herausnehmen, … !
Lassen wir nicht zu, dass kritische, prekarisierte, nicht-„profitable“ Initiativen und Projekte verdrängt und unsichtbar gemacht werden!

Eure Berechnung muss mit unserem Widerstand rechnen!
Gegen die neoliberale Verwertungslogik!
Gegen die Kommerzialisierung des öffentlichen Raums!
Für das Recht auf Stadt, Land, Fluss für alle!
Für mehr und nicht weniger Freiräume!
Realität ist Ideologie.
Die Utopie muss Realität werden!
Geht’s uns allen gut, geht’s uns allen gut!

Wir haben es bis jetzt geschafft, mit viel Vernetzung und Solidarität, gemeinsam mit vielen Gruppen und Initiativen im Kulturzentrum und außerhalb, mit einer Reihe von widerständigen, kreativen und solidarischen Aktionen das Kulturzentrum im Amerlinghaus zu erhalten.

Gemeinsam sind wir stärker, und wir wollen das 40jährige Jubiläum der Besetzung des Amerlinghaus nicht nostalgisch und selbstreferentiell feiern, sondern dazu nutzen, unsere Kräfte zu bündeln und gemeinsam mit vielen anderen gegen neoliberale Verwertungslogik und soziale Verdrängung, gegen unleistbare Mieten, Kriminalisierung und Repression widerständige Aktionen zu setzen!

Wir sind nur eines von vielen widerständig-unbequemen Zentren und Projekten, in denen kritische und solidarische Gesellschaftsentwürfe in die Praxis umgesetzt werden, und die von Kürzungen und strukturellen Eingriffen bedroht sind. Wir wehren uns gegen die Aushungerung, Räumung, Unsichtbarmachung von sozialer, transkultureller und Bildungsarbeit, denn dies ist ein Angriff auf uns alle!

Seit Jahren muss das Kulturzentrum im Amerlinghaus um eine ausreichende Förderung durch die Gemeinde Wien kämpfen, damit das Zentrum als nicht-kommerzieller und niederschwelliger Kommunikationsraum erhalten bleiben kann und der Betrieb als offenes, intergenerationelles, transkulturelles und politics-übergreifendes Basiskulturzentrum überhaupt noch möglich ist. Im April und im Mai 2014 mussten wir uns wieder einmal – dank des vehementen Protestes und der großen Solidarität mit Erfolg – gegen die erneuten Versuche der Gemeinde wehren, durch massive Subventionskürzungen und Hinhaltetaktiken die Infrastruktur des Zentrums zu zerschlagen.

Die Miete wird, obwohl Teil unserer Grundkostenförderung, seit 2014 von der MA 13 direkt an die Gesiba (zu 99,97 % im Eigentum der Stadt Wien) gezahlt – inklusive der von uns in den bisherigen Verhandlungen mit der Gesiba mühsam errungenen Mietreduktion von einer Monatsmiete!

Planungssicherheit für das Kulturzentrum ist dagegen nach wie vor keine in Sicht.

Wir werden weiter dafür kämpfen, dass das Zentrum im Amerlinghaus, das so viele Jahre der Zuführung einer Verwertung im wirtschaftsliberalem Sinn und der Kommerzialisierung, von der es umgeben ist, widerstanden hat, nicht nur wegen seiner Geschichte, sondern auch wegen seiner gegenwärtigen Position als eines der letzten offenen, niederschwelligen und kritischen Zentren in Wien Teil der emanzipatorischen Kultur bleiben wird.

In den Diskussionen und Kämpfen um den Fortbestand und die Struktur des Kultur- und Kommunikationszentrums im Amerlinghaus kumulieren eine Reihe brisanter Diskurse, so auch um das global vieldiskutierte Thema „Gentrifizierung“ und die Frage „Wem gehört die Stadt?“ So sind aktuell umkämpfte Themen beispielsweise soziale Verdrängung, die Aneignung und Nutzung öffentlicher Räume, der Zugang zu Wohn- und Arbeitsraum, die Mitbestimmung bei Restrukturierungsprozessen, die Ausstattung mit und die Gestaltung von städtischer Infrastruktur sowie die Ausverhandlung von Möglichkeiten urbaner Teilhabe („citizenship“). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie, von wem und für wen Stadt „gemacht“ wird innerhalb von Gesellschaften, die durch solche extremen Disparitäten, Fragmentierungen und Interessenskonflikte geprägt sind. Einen wichtigen Schwerpunkt der Arbeit im Kulturzentrum Spittelberg bildet die politische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Widersprüchen. Unser Anliegen und ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit im Kulturzentrum Spittelberg/Amerlinghaus ist, kritische, gesell­­schafts­­emanzipa­- torische Ansätze zu unterstützen, die höchstens an den Rändern des dominanten Mainstream-Diskurses sichtbar werden und nicht nach kapitalistischen Verwertungslogiken und Konsumzwängen zugerichtet werden können und wollen.

Teil dieser Auseinandersetzungen ist es auch, nicht vor den eigenen „Blinden Flecken“ halt zu machen, sondern auch eigene soziale und politische Praxen selbstkritisch ständig aufs Neue zu hinterfragen, gerade dann, wenn es darum geht, inkludierende soziale Räume zu schaffen, und die Stadt (und das Land) selbstbestimmt und von unten zu gestalten.

Wir meinen, dass es Teil einer umfassenden politischen Bildungsarbeit ist, offen und kritisch gesellschaftliche Entwicklungen zu thematisieren, sich mit unterschiedlichen Gesellschaftskonzepten auseinandersetzen zu können und nicht von vornherein normativen und tabuisierenden Ideologien ausgeliefert zu sein.

Solidarität ist unsere Waffe!

Mit der solidarischen Kampagne „Raum frei?! 40 Jahre – 40 Besetzungen – Raumnahmen und mehr“ zeigen wir, dass wir uns nicht gegeneinander ausspielen lassen, sondern uns gegenseitig in unseren Kämpfen stärken und entschlossen und gemeinsam handeln.

Tun wir uns zusammen, handeln wir solidarisch, lasst uns unbequem sein!

Mehr Freiräume müssen her, mehr unabhängige und selbstorganisierte Projekte, mehr autonome Hausprojekte, mehr Wagenplätze!

Für mehr und nicht weniger soziale, kulturelle, kommunikative Zentren!

 

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1975: Während eines Vier-Tage-Festes im Amerlinghaus machten rund 3.000 BesucherInnen diese Veranstaltung zu einem Erfolg und unterzeichneten ein Manifest, das die Forderungen nach dem selbstverwalteten „Kultur- und Kommunikationszentrum Amerlinghaus“ enthielt. Das Manifest wurde den anwesenden GemeindevertreterInnen überreicht – gleichzeitig erfolgte die Ankündigung, dass dieses Haus ab sofort für einen „Modell-Betrieb“ auf unbestimmte Zeit besetzt sei. Die Gemeindeverwaltung tolerierte diese weiche „Besetzung“. Das zu diesem Zeitpunkt baufällige Haus wurde generalsaniert, am 1. April 1978 eröffnet und dem Verein Kulturzentrum Spittelberg übergeben.

Das Amerlinghaus war ursprünglich als autonomes Stadtteil­zentrum im damals proletarischen und migrantischen Spittelberg konzipiert. Die Gemeindesubventionierung und das später so bezeichnete Konzept der „MitarbeiterInnen-Selbstverwaltung“ bildeten für Teile der aktiven und kämpferischen sozialen Bewegungen der Zeit Kritikpunkte am Haus.

Vieles hat sich seitdem verändert. Das Viertel um den Spittelberg ist ein Musterbeispiel für Gentrifizierung. Das Kulturzentrum Spittelberg ist aber durch viele gesellschaftliche Veränderungen hindurch ein linkes Zentrum und ein wichtiger Treffpunkt für über 50 Gruppen, eine Vielzahl von Initiativen und Einzelpersonen geblieben. Von früh bis spät ist das Haus aktiv:

Deutschkurse für MigrantInnen, Kinderbetreuung, interkulturelle Projekte in den Bereichen Literatur, Musik, Malerei, Tanz und Crossover, Romakulturveranstaltungen, Improvisations- und Mitspieltheater, linke Gruppen, die sich mit politischer Theorie & Praxis beschäftigen, selbstorganisierte Senior­Innen-Treffen, Selbsthilfegruppen und Selbstermächti­gungs­projekte in verschiedensten Themenbereichen wie Ess­stör­ungen, sexuelle Orientierung, Prekarisierung, Mar­ginali­sierung, Migration,… Marxismuskongresse, Litera­tur­ver­anstaltungen, kritische Filmabende, juristische Beratung von und für Erwerbsarbeitslose und vieles mehr findet im Kulturzentrum Raum. Und wir wollen, dass das so bleibt!