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watch out for action!
Offene Deutschkurse im Amerlinghaus
Unabhängiges Kollektiv freiwilliger Deutschlehrer_innen
https://offenedeutschkurse.wordpress.com

Wir wollen einer anderen Art von Bildung Raum geben.
Wir stellen uns gegen die Pflicht zur Integration und für das Recht nicht so sein zu müssen, sowie das Recht auf Mitgestaltung.

Wir möchten Räume einnehmen, um kollektives Lernen abseits von verpflichtenden Prüfungen und Zeitdruck zu ermöglichen.

Wir verstehen unsere Praxis als konstruktive Störung von (post)kolonialen, (post)nazistischen, heteronormativen, patriarchalen, rassistischen und sexistischen, eurozentrierten Verhältnissen.

Wir werden die untragbaren Verhältnisse sichtbar machen.

 


 

watch out for action!
Wir sind jung und haben das Geld nicht
– Kapitalismus, Freiräume und 40 Jahre Amerlinghaus

Kapitalismus beschränkt sich nicht nur auf das Offensichtliche und wird doch an vielen Stellen des täglichen Lebens offensichtlich. In einer politischen Ökonomie, die sich wie alles nicht nur auf das Wirtschaftliche beschränkt, durchdringt ihre Logik und grundlegenden Funktionsweisen alle Bereiche des Lebens und Überlebens. Der Interessenskonflikt um Raum – Wohnraum, Lebensraum, Raumgestaltung – ist nur einer von vielen und gleichzeitig einer, der sehr tief geht.

Im Kapitalismus stehen sich Arbeiter_innen und Kapitalist_innen in einem ständigen Konflikt gegenüber. Ein Konflikt um die Aufteilung der Produkte, die erarbeitet und geschaffen werden, ein Konflikt um Löhne und Profite, soziale Leistungen und Steuern, Gesundheitsversorgung und Medikamentenpreise, Selbstbestimmung und unbezahlte Versorgungsarbeit. Dieser Konflikt zieht sich auch durch die Frage von Räumen – Wohnraum, Aufenthalts- und Lebensräume. Wer bestimmt, was und wo gebaut wird? Welche Räume dürfen nur verwendet werden wenn dafür bezahlt wird? Wann wird Raum für alle zerstört um Platz für Effizienzsteigerung, Spekulationsprofite und Mieteinkünfte zu machen?

In diesem Konflikt ziehen die Arbeiter_innen, die Jugendlichen und Unterdrückten fast immer dann den Kürzeren wenn sie sich politisch nicht durchsetzen können, ihr Bedürfnis nach lebenswerten Wohngebieten nicht gegen das Bedürfnis der Kapitalist_innen, Profite zu erzielen, verteidigen können. Parks und Räume, die ohne Kosten benutzt werden können (konsumfreie Räume) werden von Lokalen und Veranstaltungsstätten verdrängt. Kulturzentren weichen Veranstaltungshallen. Es sind vor allem auch Jugendliche, die ein Bedürfnis nach selbstbestimmten, konsumfreien Räumen haben, in denen wir abhängen und diskutieren, feiern und entspannen können. Gleichzeitig fehlen uns als Schüler_innen und Student_innen, Lehrlingen, Jungarbeiter_innen und Arbeitslosen die Mittel den geforderten Preis für die Räume zu bezahlen, die „der Markt“ anzubieten hat. Der Kampf um Freiräume ist immer ein Kampf um Selbstbestimmung, um Unabhängigkeit und eigene Entwicklung. Ein Kampf um Rückzusgräume vor dem täglichen Verwertungswahnsinn.

Manchmal schaffen wir es, wir die Arbeiter_innen, Jugendlichen und Unterdrückten, wir die Revolutionär_innen, Widerständigen und Kämpferischen, Räume zu erobern.
Die Besetzung des Amerlinghauses vor 40 Jahren war so ein Fall, wo ein Raum für Kultur, politische Arbeit, für Diskussionen und gemeinsames Gestalten möglich gemacht, erkämpft wurde. 40 Jahre Amerlinghaus bedeuten, 40 Jahre Richtiges im Falschen aber auch 40 Jahre Verteidigungskampf und Widerstand.
Orte, die der Verwertungslogik entzogen wurden zeigen beides auf: Dass wir uns unsere Räume holen können, aber auch dass das Bestehen eines freieren Raum die Unfreiheit vor den Türen nicht beendet. Dass der Kampf immer weiter geht.

Die Stadt Wien hat einige Besetzungen und ehemalige besetzte Räume vorzuweisen. Gerade die Politik der letzten Jahre war es Besetzungen sofort zu beenden, die Forderung nach Freiräumen mit kontrollierbaren Jugendzentren und Polizeirepression zu beantworten. Die Räumungen in der Lindengasse („Epizentrum“), in der Wallrißgasse und in der Mühlfeldgasse („Pizzeria Anarchia“) haben nicht nur gezeigt, dass uns nichts geschenkt wird, sondern auch dass wir im Moment nicht die Stärke haben, es uns zu holen.

Wir können aus diesen Erfahrungen viel lernen und dürfen sie nicht vergessen, verdrängen, ungeschehen machen. Die Fehler, die passiert sind, die Erfolge, die wir hatten und die knallharte Antwort mit Räumpanzer und WEGA-Einsatzkommandos, daran müssen wir uns erinnern, weil am Grundproblem hat sich nichts geändert: Wir sind jung und haben das Geld nicht.

Revolution http://www.onesolutionrevolution.at/